Ich hatte ein Rendezvous
im Großraumbüro
aber kein Normales
sondern ein Spontanes
Kein ‚ich ein Anzug, sie ein Kleid‘
sondern eher ein ‚mach dich nicht so breit‘
ich habe gestrahlt
mir Ihr Lächeln ausgemalt
In all dem Trubel
von verkauftem Jubel
meiner Mitarbeiter
mit Krawatten, die gehen nicht weiter zu
krächzen um die Wette
geben niemals Ruh
Ich hatte ein Rendezvous
es war mein Erstes
mein erstes Richtiges
obwohl es nur drei Sekunden dauerte
und ich mir dabei den Karriereweg zumauerte
aber, dass mir keiner glaubt, ich trauerte
Vielleicht kurz
aber nicht länger
denn ich könnte ja alles sein, sagte sie, sogar Sänger
oder Bauer mit einem Traktorenanhänger
Sie sagte, dass ich sie lieben muss
und niemals handeln sollte aus Verdruss
nur ich dürfte das verstehen
denn die anderen könnten nichts sehen
Augen verdeckt von angestautem Neid und Hass
sie würden bald stolpern und nie mehr wirklich stehen
ich hatte ein Rendezvous
es waren nur wir zwei
denn niemand schaute zu
Sie war wundervoll
ihr Blick, streng wie beim Zoll
ihre Sprache, konstant und monoton
aber nicht langweilig, nicht ohne Ton
Ihre sanfte Art beruhigte und durchlöcherte
wie ein Hörspiel, das man zum fünften Mal durchhörte
und ihre Worte so weise
als versuchte sie festzuhalten die Vernunft
aus der Vergangenheit für die Zukunft
als kannte sie alles bereits
aber war nicht Teil des Geschehens, sondern abseits
Ich hatte ein Rendezvous
und trug nicht mal einen schönen Schuh
mit dem ich sie in den Park hätte führen können
um uns ein bisschen Sonnenstrahlen zu gönnen
Stattdessen standen wir uns im Gang gegenüber
alles ging drunter und drüber
ich war stumm und sie redete
mir wurde es klar und sie wedelte
Mit meinem Leben in der Hand
sie schmiss es gegen die Wand
und es zerbrach
und zerstach
All die Fake-Träume
und Flucht-Räume
all die Ausreden
und wirklich jeden
den ich eh nicht leiden konnte
aber nicht fallen lassen wollte
Ich hatte ein Rendezvous
aber keinen Clou
wie man jemanden küsste
als ob ein Looser wie ich das wüsste
Ich solle mich beeilen
und nicht länger verweilen
sagte sie unschuldig und gestresst
denn sie sei Eine, die jeden viel zu früh verlässt
Und nichts dafür kann
weil der Andere immer fragt, wann
und selbst nie kommt
sich in der Faulheit sonnt
und sie vergisst
bis zu dem Moment, wo es zu spät ist
Sei doch du bitte anders
sagte sie flehend
du kannst das
brachte sie mein Herz zu beben
Ich solle mich erheben
und endlich nach dem greifen
was nur wenige begreifen
anstatt Autos mit fetten Reifen
soll ich mir mein Leben einseifen
Mit Dingen, die ich mir nicht kann kaufen
sondern nur erlaufen
auf irrealen Chausseen
mit fantastischen Ideen
Ich hatte ein Rendezvous
zu kurz, um es so nennen zu dürfen
aber ich habe mich verliebt
nicht in sie
sondern in ihre Wahrheit
nicht irgendwie
sondern in aller Klarheit
Arbeit geschmissen
vorhänge aufgerissen
und ins Licht geschaut
noch nie habe ich dem Unbekannten so vertraut
mut habe ich nötig
aber es ist möglich
Ich hatte ein Rendezvous
er war ich und sie war die Zeit
worauf wartest du
mach dich nicht so breit
© Luc-Benedikt Schulte
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